Leipziger Initiative gegen Islamismus

Redebeiträge

Einleitungsrede der »Leipziger Initiative gegen Islamismus«
Liebe Teilnehmer unserer heutigen Kundgebung,
vor einer Moschee zu demonstrieren und deren Schließung zu fordern, so wie wir es heute hier tun, dürfte für die allermeisten Anwesenden ein Novum sein. Im Zuge unserer Vorbereitungen schlug uns mehrfach die Kritik entgegen, dass die Skandalisierung des legalistischen Islamismus als einer politischen Ideologie der gepredigten Unfreiheit zwar nachvollziehbar sei, dass es aber die Grenze zur Fremdenfeindlichkeit übertreten würde, wenn wir uns heute in unmittelbarer Nähe zur salafistischen Al-Rahman Moschee versammeln und ihren Besuchern zum Freitagsgebet einen überaus kritischen Empfang bereiten. Uns in eine Reihe mit der AfD oder gar der NPD zu stellen oder uns fremdenfeindliche Absichten zuzusprechen kann allerdings nur jenen gelingen, die weder hören wollen, was wir heute zu sagen haben, noch hinsehen wollen, was in dieser Moschee geschieht. Es sind die Stimmen derer, die bereits bei dem Wort „Islam“ zusammen zucken. Sie zucken aber nicht etwa zusammen, weil sie an die Zwangsverheiratung von minderjährigen Mädchen, die entwürdigende Verschleierungen von Frauen, die man Abends nicht mehr auf der Straße sieht, die jährlich dutzenden Morde im Namen der Ehre, einen lebenslangen Familienbund, ein trostloses Leben voller Verzicht oder an islamischen Terrorismus denken. Nein, sie zucken zusammen, weil sie den bitter nötigen Kampf gegen den politischen Islam nicht von fremdenfeindlicher Identitätspolitik unterscheiden können und sich schämen, gegenüber einem mehrheitlich migrantischen Milieu für Werte einzutreten, deren Entstehungsgeschichte nun mal zufälligerweise nicht am Euphrat beginnt. Ganz gleich aber wo die Ideen des Säkularismus, der individuellen Freiheit und des Privatwohls ihren Ursprung genommen haben: Ihre Legitimität gilt universell und die Forderung ihrer Verwirklichung ist ein Imperativ der Humanität.
Uns in eine Reihe mit der AfD oder gar der NPD zu stellen oder uns fremdenfeindliche Absichten zuzusprechen kann allerdings nur jenen gelingen, die weder hören wollen, was wir heute zu sagen haben, noch hinsehen wollen, was in dieser Moschee geschieht. Es sind die Stimmen derer, die bereits bei dem Wort „Islam“ zusammen zucken. Sie zucken aber nicht etwa zusammen, weil sie an die Zwangsverheiratung von minderjährigen Mädchen, die entwürdigende Verschleierungen von Frauen, die man Abends nicht mehr auf der Straße sieht, die jährlich dutzenden Morde im Namen der Ehre, einen lebenslangen Familienbund, ein trostloses Leben voller Verzicht oder an islamischen Terrorismus denken. Nein, sie zucken zusammen, weil sie den bitter nötigen Kampf gegen den politischen Islam nicht von fremdenfeindlicher Identitätspolitik unterscheiden können und sich schämen, gegenüber einem mehrheitlich migrantischen Milieu für Werte einzutreten, deren Entstehungsgeschichte nun mal zufälligerweise nicht am Euphrat beginnt. Ganz gleich aber wo die Ideen des Säkularismus, der individuellen Freiheit und des Privatwohls ihren Ursprung genommen haben: Ihre Legitimität gilt universell und die Forderung ihrer Verwirklichung ist ein Imperativ der Humanität.
Das „Moschee“ genannte, islamistische Radikalisierungszentrum, vor dem wir uns heute befinden, bietet Anlass genug, um dagegen zu protestieren. Und es ist, wenn man einmal den deutsch-pakistanischen Journalisten Shams Ul-Haq zitieren darf, der unsere heutige Kundgebungunterstützt, sehr bedauerlich, dass es wieder einmal nicht die liberalen Muslime sind, von denen diese notwendige Kritik an erster Stelle ausgeht. Wie dringend politische und strafrechtliche Konsequenzen gegen diese Moschee angebracht sind, zeigen auch die Ergebnisse der Recherchen jenes gerade erwähnten Journalisten. Dieser besuchte in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Moscheen in Deutschland und Österreich um insbesondere die salafistische Szene zu beobachten. Als er während dessen auch mehrmals in der Leipziger Al- Rahman Moschee zugegen war, konnte er einen Eindruck davon bekommen, was der hiesige Imam, der sich gegenüber der Öffentlichkeit gern als ein moderater Friedensengel ausgibt, abseits der Öffentlichkeit von sich gibt. Dort bekam er von Hassan Dabbagh und anderen Lehrern dieser Moschee nämlich zu hören: „Die Kofr kommen alle in die Hölle, sie sollten umgebracht werden, weil sie Kofr sind.“ An anderer Stelle hieß es: „Inchallah werden die Kofr an einem Tag sterben und der Islam wird siegen. Jeder muss seinen Jihad dazu beitragen“.

Das Folgende bestätigt die Erfahrungen des Journalisten in noch erdrückenderer Weise: Nach Informationen des israelischen »International Institute for Counter-Terrorism« pflegt Hassan Dabbagh enge Kontakte zu verschiedenen Jihadisten. So galt er als ein Vertrauter des ehemaligen Finanzchefs von Al-Qaida, Dr. Adly el-Attar. Die islamische Terrororganisation, die weltweit für die Ermordung tausender Menschen verantwortlich ist, hat den salafistischen Imam einst sogar finanziell unterstützt. Ebenso stand er im Kontakt zur sogenannten »Hamburger Zelle« um Mohammed Atta, die für die Anschläge am 11. September 2001 in New York und Washington verantwortlich war. Darüber hinaus pflegte er gute Kontakte zur salafistischen Szene in Ulm und stand auch im Kontakt mit der dortigen Terrorzelle der »Islamischen Jihad-Union«, besser bekannt als »Sauerlandgruppe«. Zudem galt er als Freund von Reda Seyam, einem der mutmaßlichen Hintermänner des verheerenden Terroranschlags von Bali im Jahre 2002. Zur Erinnerung: Damals zündeten islamistische Selbstmordattentäter mehrere Bomben in der Nähe von Bars auf der insbesondere bei westlichen Touristen beliebten Urlaubsinsel. Darunter befand sich auch eine Autobombe, die mit ca. einer Tonne Sprengstoff geladen war. Die verheerende Wirkung dieses Angriffs hinterließ ein Trümmerfeld, in dem sich über 200 Tote und mindestens ebenso viele Verletzte befanden.
Nach zahlreichen Ermittlungsverfahren gegen den Imam, darunter der Verdacht auf Gründung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, sowie dem Verdacht auf Anwerbung für einen fremden Wehrdienst, versuchte derselbe seine teils offen ausgetragenen Sympathien für den islamischen Terrorismus zu verbergen. Nicht nur weil seine diesbezüglichen Erklärungen vor Halbherzigkeiten und Relativierungen nur so strotzen, sind sie nicht glaubhaft. Es ist gerade die Spielart des legalistischen Islamismus, dass sich seine Protagonisten nach Außen hin als friedliche Mitbürger ausgeben, die zu Unrecht in Verbindung mit dem bewaffneten Jihad gebracht werden, um erst hinter verschlossenen Türen Klartext zu sprechen.
Der enge Vertraute und Weggefährte des Leipziger Salafisten-Imams, Abul Baraa, beispielsweise, bekam in seiner As-Sahaba Moschee in Berlin Wedding erst am letzten Dienstag Besuch durch das dortige Landeskriminalamt. Diese Moschee, die laut dem zuvor bereits erwähnten „International Institute for Counter-Terrorism“ als „praktischer Ableger der Leipziger Al-Rahman Moschee“ bezeichnet wird, wurde durchsucht, weil die Ermittler glauben dem Imam nachweisen zu können, dass er Gelder gesammelt und zugestellt hat, die für die konkrete Planungund Durchführung eines Terroranschlags vorgesehen waren. Ebenso wie Hassan Dabbagh aus Leipzig steht der Berliner Imam aber ironischerweise „innerhalb der Salafistenszene in der Kritik, dass seine Ansichten zu moderat seien, darunter zählt auch seine öffentliche Ablehnung von Terroranschlägen“.
Neben diesen zahlreichen Verbindungen zu islamischen Terrororganisationen, ist der Leipziger Plattenbausalafist mit seinen täglichen Islam-Kursen, Predigten, und dem täglichen Islam-Unterricht für Kinder tatsächlich ein „Multiplikator der salafistischen Szene“, wie es das Oberverwaltungsgericht Leipzig ihn einst bezeichnete. Es liegt daher auf der Hand, dass diese Moschee schleunigst verboten gehört. Wir fordern von den zuständigen Behörden in Sachsen deshalb eine Aberkennung der mit steuerlichen Vergünstigungen einhergehenden Gemeinnützigkeit des Moscheevereins und darüber hinaus die Einleitung eines längst überfälligen Verbotsverfahrens gegen denselben. So schwer sich manch einer auch damit haben mag, aber ohne staatliche Repressionsmaßnahmen gegen die islamistische Szene, so viel steht jedenfalls fest, wird langfristig kaum ein Protest, kaum ein Zeitungsartikel oder eine Diskussionsabend an deren wachsender Gefahr etwas ändern können.



Redebeitrag der Gruppe En Arrêt Berlin (EAB)
Keine 48 Stunden nach dem islamistischen Anschlag von Straßburg twitterte die Berliner SPDlerin Sawsan Chebli die folgenden Zeilen: “‘Allahu Akbar‘ sagt nichts über Religiosität, wohl aber darüber, dass sich Person als Muslim/a sieht u. überzeugt ist, im Namen des Islam zu handeln. Was sonst? Umgang hat was Paternalistisches u. hilft keinem weiter, schon gar nicht Muslimen.“ [1]
Was die Berliner Staatssekretärin für Islamappeasement darin unfreiwillig und dennoch richtig zum Ausdruck bringt, ist, dass das (fromme) Bekenntnis zum Islam und der Islamismus eben nicht so klar voneinander zu trennen sind, wie es all jene stets behaupten, die von DEM Islam nicht sprechen wollen, wenn er für Terror verantwortlich ist, aber DEM Islam bei jeglicher Kritik solidarisch zur Seite springen. Diese Schutzbehauptungen, nicht selten garniert mit einem immunisierenden Rassismusvorwurf an das Gegenüber, müssen als bewusster Versuch gesehen werden, die ideologischen Zusammenhänge islamischer Alltagspraktiken und Ideologeme zu verschleiern. [2] Es geht nicht darum, Muslime als vermeintlich religiös Determinierte unter Generalverdacht zu stellen. Vielmehr müssen sie als bewusste Träger und Trägerinnen einer reaktionären Ideologie benannt und kritisiert werden. Und zwar nicht erst da, wo sich der Fanatismus in Terroranschlägen oder Ehrenmorden mit seiner hässlichsten Fratze zeigt. Sondern bereits dort, wo der Fundamentalismus gepredigt und der Hass auf Ungläubige geschürt wird. Genau deshalb sind wir heute hier.
Sei es ein abstrakter muslimischer Hintergrund, der die Zuwendung zum Islam zur gelungenen, adoleszenten Provokation werden lässt oder das streng gläubige Elternhaus: Das Leben in einer westlichen Mehrheitsgesellschaft bedeutet Identitätskonflikte. Nicht selten erwächst aus der Angst vor der Entfremdung von den eigenen Wurzeln die Kränkung des islamischen Ideals, welche durch Ablehnung aller als westlich qualifizierten Zumutungen zu vergelten sei. Die Zwangsvorstellung, ein immer besserer Muslim sein zu können, zeichnet die “Übermuslime“ aus, die wie in einem “Fahrstuhl des Narzismus“ die eigene Frömmigkeit steigern und auf alle nicht oder weniger Gläubigen mit Verachtung herabschauen. [3]
Auf dieser Grundlage bildet sich ein islamischer, ein männlicher Sozialcharakter heraus, der sich durch die mangelnde Triebsublimierung charakterisieren lässt. Gilt der männliche Nachkomme in der islamischen Familie als “kleiner Prinz”, dem kein Wunsch verwehrt werden darf, wird ihm beim Kontakt mit der realen Welt schnell klar gemacht, dass außerhalb der islamischen Familie andere Dinge als die “Blutsurenge” (Marx) relevant werden, um sich Wünsche erfüllen zu können. Diese Ohnmachtserfahrungen, die sich – im Gegensatz zu Mädchen aus muslimischen Familien – in schulischem und später dann ökonomischem Misserfolg manifestieren, kompensieren die islamischen Jungmänner dadurch, einerseits die reale Macht über die eigene Schwester auszuüben und andererseits alle Frauen, die dem islamischen Ideal nicht entsprechen, als “Schlampen” ansehen und behandeln zu dürfen.
Bei Konvertiten spielt – neben sozialen Ohnmachtserfahrungen, familiären Problemen und einem kleinkriminellen Racketmilieu – in erster Linie die “Widerspruchsfreiheit” des Islams eine prägende Rolle. Dieses Angebot, für alle komplexen Lebenssituationen einen göttlichen Leitfaden inklusive Erklärung an die Hand zu bekommen, ist hochattraktiv. Salafistische Prediger wie Hassan Dabbagh und Einrichtungen wie die Al-Rahman-Moschee machen sich all dies zu nutze, um mit klaren Feindbildern eine Radikalisierung voranzutreiben.
In der Anerkennung Allahs als einzigem Souverän verschmelzen die religiöse und die politische Sphäre, hier treffen sich die “nur” frommen, “gemäßigten” Muslime und die Extremisten . Was ein Politikum bleibt, ist der sichtbare, weibliche Körper. [4] Und damit kommen wir zu den Mädchen und Frauen aus muslimischen Familien, die trotz Bildungserfolgen durch ökonomische Abhängigkeiten und traditionelle Frauen- und Familienbilder eng an ihre Herkunftscommunity gebundenen bleiben. Während die wachsende, auch finanziell mögliche Eigenständigkeit der Frauen die ökonomische Schwäche der Männer wie durch ein Brennglas hervorhebt, genügt der unbedeckte weibliche Körper, um die männliche Unfähigkeit zur Triebsublimierung unter Beweis zu stellen.
Die Antwort darauf ist in beiden Fällen das Kopftuch, das von immer mehr Frauen und von Mädchen immer jüngeren Alters getragen wird und sie als Teil des islamischen Zwangskollektivs brandmarkt. Als Sinnbild der misogynen Geschlechterordnung ist es folglich kein privates Modeaccesoire oder Zeichen individueller Religiosität, sondern politisches Statement für die aufgezwungene oder auch selbstgewählte Unfreiheit. Aus Angst vor der weiblichen Lust mitsamt dem darin enthaltenen Streben nach Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit wird der Frauenleib zur Verkörperung der Sünde erklärt. Dessen Verschleierung wird damit zum Versuch, die daran geknüpfte Ehre der Familie und der islamischen Gemeinschaft überhaupt zu retten. Die Bedrohung dieser überkommenen, islamischen Ehrvorstellung findet sich symbolisiert im Westen, dessen bürgerliche Freiheiten auch die jungen Frauen locken. Ob ein verrutschtes Kopftuch, zu westliche Kleidung oder gar ein erstes Verliebtsein: Jegliche Verstöße gegen den strengen Sittenkodex des Islam gilt es für muslimische Mädchen jedoch zu vermeiden, um dem omnipräsenten Drohszenario der Hölle zu entkommen. Dass diese Hölle nicht erst im Jenseits beginnt, zeigen die hohen Zahlen von Zwangsverheiratungen und Ehrenmorden, die auch in Deutschland stattfinden. Diese Hölle beginnt dort, wo von klein auf von der Ungleichheit der Geschlechter und der Minderwertigkeit von Anders- und Ungläubigen gesprochen und die Welt in schwarz und weiß gezeichnet wird. Sie setzt sich fort, wo ein umfassender Kontrollapparat benötigt wird, um die Einhaltung religiöser Gebote überwachen und durchsetzen zu können. Als nichts anderes denn ein solcher Versuch, den religiösen Einfluss und die Indoktrination weiter auszubauen, muss der zum Glück 2014 unterbundene Versuch gesehen werden, diese Moschee um einen Kindergarten zu erweitern.
An dieser Stelle sei eine Anmerkung zum Alltagsislam in Berlin erlaubt. “Auf eine Anfrage des früheren migrationspolitischen Sprechers der Berliner Linken, Giyasttin Sayan, zum Thema Koranschulen erhielt er die Antwort, dass diese Schulen unter keinerlei Aufsicht staatlicher Behörden stehen. Das Resultat erzählen dann Lehrer und Lehrerinnen, die im Umfeld radikaler Moscheen unterrichten. ‘Vor wenigen Jahren noch habe man kaum Kopftücher in der Grundschule gesehen – jetzt fange das schon bei den Sechsjährigen an. Im Sport weigern sich die Kinder, zu duschen. Da ist eine große Körperfeindlichkeit. Vor dem nackten Apoll im Museum drehen sie sich angeekelt weg.’” [5] Häufig ist es gerade dieses “Freizeit bzw. Wochenendangebot” durch radikale Moscheen, in denen die Kinder und Jugendlichen indoktriniert werden.
Religionsfreiheit kann in diesem Zusammenhang nicht die Sakralisierung der Religion und ihr freies Verfügen über die Menschen meinen, sondern allein die Freiheit des Einzelnen gegenüber der Religion. Daraus folgt, dass nicht die Religion – und das heißt auch und gerade nicht der Islam – sondern die unter ihm lebenden und leidenden Individuen zu schützen sind. [6] Wir von En Arrêt! Berlin solidarisieren uns mit all jenen, die sich tagtäglich gegen diese frauen- und menschenfeindliche Ideologie einsetzen und dafür nicht selten mit dem Tode bedroht werden. In diesem Sinne: Für die Freiheit, für das Leben!

[1] S. Chebli (13.12.2018). https://twitter.com/SawsanChebli/status/1073201443300130818.
[2] S. Maani: Respektverweigerung (Wien 2015), S. 106.
[3] F. Benslama: Der Übermuslim (Berlin 2017), S. 10; 36; 83.
[4] Benslama 2017, S. 75.
[5] S. Adamek: Scharia-Kapitalismus (Düsseldorf/Berlin 2017), S. 135.
[6] Maani 2017, S. 18.



Redebeitrag von Inge Bell für die Leipziger Städtegruppe von »Terres des femmes« (TDF)
Heute ist ein Tag wie jeder andere:
Überall auf der Welt sind heute Mädchen und Frauen auf der Flucht – vor Gewalt, Terror, Verfolgung.
Überall auf der Welt werden heute Mädchen und Frauen geschlagen und misshandelt – in ihrem eigenen Zuhause.
Überall auf der Welt werden heute Mädchen und Frauen sexuell belästigt und vergewaltigt.
Überall auf der Welt werden heute Mädchen und junge Frauen als Sex-Sklavinnen zur Prostitution gezwungen.
An vielen Orten der Welt werden heute Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt.
Überall auf der Welt werden heute Mädchen und junge Frauen zwangsverheiratet.
Überall auf der Welt werden heute Mädchen und Frauen getötet – im Namen der sogenannten Ehre.

Das alles passiert heute – an diesem ganz normalen Tag. Und das alles passiert nicht zuletzt und zu einem großen Teil im Namen des Islam… … in dem der Körper der Frau beschämt wird, … in dem die Bewahrung der sogenannten Familienehre durch die Gemeinschaft kontrolliert wird … und in dem durch die Scharia Gewalt gegen Frauen legitimiert und das Ausleben weiblicher Sexualität rigide sanktioniert wird.

1981 gründete die Journalistin Ingrid Staehle TERRE DES FEMMES in Hamburg. Sie war erschüttert und aufgerüttelt nach Berichten über Gewalt an Frauen und Ehrenmorde im Nahen Osten.
Heute machen wir von TERRE DES FEMMES uns seit bald vier 4 Jahrzehnten dafür stark, dass diese und andere Menschenrechtsverletzungen aufhören, die Mädchen und Frauen weltweit allein deshalb erdulden müssen, weil sie weiblich sind!

Mit Sorge beobachten wir nun, wie viele der eben genannten Phänomene der Frauenunterdrückung auch hier in Deutschland zunehmen. Auffällig häufig stammen die Männer, die Verbrechen im Namen der Ehre oder Religion begehen, aus islamisch geprägten Gesellschaften. Und sie zeigen auch nach der Tat keinerlei Reue und Schuldbewusstsein. Sie halten ihre Taten für legitim. Das ist kein Zufall, sondern Produkt einer Sozialisation, die die Geringschätzung und Verachtung gegenüber Frauen fördert.
Nicht erst seit der Kölner Silvesternacht häufen sich die Berichte sexueller Gewalt von ebenjener Tätergruppe im öffentlichen Raum. Oft werden die Übergriffe sogar gemeinschaftlich begangen – eine Taktik, die während des Arabischen Frühlings in Ägypten populär wurde. Auch aus Flüchtlingsunterkünften liegen uns Berichte von Gruppenvergewaltigungen vor.

Das Konzept der Familienehre hat alleine dieses Jahr in Deutschland bereits mehrere Dutzend Todesopfer gefordert – meist Frauen, aber auch ihre Kinder oder selbstgewählten Partner. Einige weitere Dutzende konnten solchen Mordversuchen durch ihre Angehörige oder Partner knapp entkommen.

Manches Mädchen wird hier in Deutschland in der Schule gemobbt, weil es sich nicht verschleiern möchte. Auch in Vierteln, die schon früher migrantisch geprägt waren, nimmt die Anzahl verschleierter, zum Teil sogar vollverschleierter Frauen zu.
Im Umkreis der Leipziger Eisenbahnstraße sieht man immer häufiger Mädchen, die schon im Kindesalter Kopftuch tragen.

All diese Phänomene werden durch eine Ideologie hervorgebracht. Eine frauenfeindliche Ideologie. Im Namen der Religionsfreiheit kann sie sich hier bei uns, in Deutschland und unseren westlichen Demokratien, ausbreiten. Der wohl bedeutsamste Ort solcher Indoktrination in Sachsen ist die Al Rahman Moschee – hier gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Vor bis zu 1.000 Zuhörern kann der salafistische Imam Hassan Dabbagh, beim Freitagsgebet Frauenhass predigen. Nach Dabbagh sollen Frauen keine selbstbestimmten Subjekte sein, sondern sich durch Gehorsam dem Mann unterwerfen. So habe Allah es befohlen.[1] Der Imam kritisiert, dass die „Ehe für alle“ für Homosexuelle gilt, aber nicht für Männer, die in einer patriarchalen Vielehe leben möchten.[2] In einer Vielehe lebt er bereits selbst mit seinen zwei islamisch angeheirateten Ehefrauen.[3] Für die muslimischen Frauen jedoch beansprucht Dabbagh andere Regeln als für die Männer: Sie haben sich zu verschleiern und dürfen nur mit Erlaubnis des Ehemanns das Haus verlassen.[4]
In seinen YouTube-Videos fordert Dabbagh Frauen auf „Schamgefühl“ zu zeigen, denn dies sei „weiblich und Frauen sollen weiblich sein“.[5]
Außerdem lehrt er, dass laut Mohammed die meisten Höllenbewohner Frauen seien – Frauen, die ihre Männer nicht genügend gewürdigt hätten.[6]
Der Imam beteuert zwar immer wieder, dass Gewalt abzulehnen sei, rechtfertigt jedoch an anderer Stelle die Steinigung ehebrecherischer Frauen als Gottes Gesetz.[7]

Laut Imam Hassan Dabbagh sei es selbst aus heutiger Sicht nicht zu kritisieren, dass sein Prophet Mohammed im Alter von etwa 50 Jahren die Ehe an einem 9-jährigen Mädchen vollzog. Denn dies sei Allahs Wille gewesen.[8] Auch wundern wir uns sehr über die Behauptung des Imams, dass vor 1.400 Jahren Mädchen bereits mit 5 bis 6 Jahren ihre Geschlechtsreife erreicht hätten – und in Afrika sei das heute noch so.[9]

Die sexuelle Ausbeutung von Mädchen rechtfertigt Hassan Dabbagh nicht nur explizit zu Mohammeds Lebzeiten – er erklärt öffentlich, Salafisten sollten nach den „besten Generationen“[10] leben und diese seien die des Propheten selbst und die beiden nachfolgenden gewesen. Rechtfertigt der Imam damit nicht etwa die von Mohammed vorgelebte Pädosexualität auch in der heutigen Zeit?

Der Imam betrachtet vorpubertäre Mädchen offenbar als Sexualobjekte. Deshalb fordert er Muslime auf, ihre Töchter mit 10 Jahren oder jünger, an das Tragen des Hijabs, des Mädchenkopftuchs, zu gewöhnen – und zwar „etappenweise, langsam“[11]. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, Männer könnten beim Anblick unverhüllter Frauen ihre sexuellen Triebe nicht kontrollieren. Auf Youtube erklärt Dabbagh: „Die meisten Probleme zwischen Frauen und Männern – das bedeutet auch Sexualangriffe – passieren wegen solchen Themen, weil die Frau ihre Schönheit zeigt“[12]. Das ist eine Täter-Opfer-Umkehr, eine perfide Strategie. Die Frau ist schuld, wenn sie sexuell angegriffen wird, nicht der Mann.

Wer sagt, dass Mädchen enge Stoffbahnen auf dem Kopf freiwillig anlegen, der verkennt die Zwänge, denen Mädchen und Frauen in streng islamischen Gemeinschaften ausgesetzt sind. Wer von Kindesbeinen an großgezogen wird mit der Vorstellung, dass Mädchen und Frauen ohne Verhüllung ehrlos seien; dass sie die Verantwortung für sexuelle Übergriffe von Männern tragen und dass sie Schande über die Familie bringen – wer das von klein auf lernt, ist kaum in der Lage eine freiwillige, also aufgeklärte Entscheidung für das Kopftuch zu treffen. Nein. Solche Mädchen und Frauen handeln aus anerzogener Scham für den eigenen Körper. Das belegen auch Aussagen von Hijab-Trägerinnen, für die das Ablegen des Kopftuchs genauso schambesetzt ist wie öffentlich die Unterhose auszuziehen.

TERRE DES FEMMES fordert deshalb nicht nur ein allgemeines Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit, sondern vor allem auch ein Verbot der Mädchenverschleierung bis zum Erreichen der Volljährigkeit. Mädchen sollen nicht „etappenweise“ und „langsam“ verhüllt werden, um sich von den angeblich ehrlosen Nicht-Musliminnen abzusondern. Mädchen sollen den Kopf frei haben – und sich frei und selbstbestimmt entfalten können in der Gesamtgesellschaft! Wir bitten Sie, liebe Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer: Unterschreiben Sie unsere Petition für ein Kinderkopftuchverbot in Kindergarten, Schulen und öffentlichen Institutionen!

Es gilt, indoktrinierte Mädchen vor dem Druck ihres muslimischen Umfelds zu schützen. Doch die Ausbreitung des Hijabs im öffentlichen Raum betrifft auch Mädchen und Frauen, die kein Kopftuch tragen: denn wir werden bereits jetzt in „ehrenhafte“ Frauen und „nichtswürdige Schlampen“ eingeteilt – je nachdem, wie viel Haut wir zeigen und ob wir uns schminken. Wir wollen nicht für freizügige Kleidung oder sexuell selbstbestimmtes Handeln sanktioniert und geschmäht werden! Wir schämen uns nicht dafür, Frauen zu sein. Wir schämen uns nicht für unsere Körper und unsere Lust – und keine Frau auf der Welt sollte dies tun müssen! Kein Mädchen darf zu solcher Scham erzogen werden! Um es mit der iranischen Frauenbewegung zu sagen, die vor 40 Jahren gegen die Islamische Revolution kämpfte: „Freiheit ist weder westlich noch östlich – sie ist universell!“.

Wir von TERRE DES FEMMES beziehen ganz entschieden Position für die Rechte der Mädchen und Frauen. Durch unsere beharrliche Lobbyarbeit seit über 30 Jahren haben wir in Deutschland bereits einiges erreicht. Nämlich zum Beispiel Gesetze, die vor allem Mädchen und Frauen in Teilen der muslimischen – und anderer archaisch-patriarchaler – Communities helfen:
2011 trat das Gesetz zur Bekämpfung von Zwangsheirat in Kraft.
Weibliche Genitalverstümmelung ist seit 2013 ein eigener Straftatbestand.
Und seit 2017 werden Kinderehen gesetzlich bekämpft.

Doch nach wie vor kann hier in Leipzig – nur wenige Meter entfernt in der Al Rahman Moschee – und auch in anderen Moscheen in Deutschland, ungehindert Frauenverachtung und Frauenhass gepredigt werden.

Wie wir von TERRE DES FEMMES Leipzig unterstützt auch unsere Vorstandsfrau, die bekannte Islamkritikerin Dr. Necla Kelek, die heutige Kundgebung gegen diesen Ort und Geist der Frauenfeindlichkeit.

Wir wollen Politik und Gesellschaft aufzeigen, dass Frauenunterdrückung auch bei uns keineswegs überwunden ist. Sondern dass die Gleichberechtigung und Sicherheit von Mädchen und Frauen bedroht sind – durch falsch ausgelegte Religionsfreiheit und falsch verstandenen Antirassismus.

Deshalb fordern wir die staatlichen Institutionen dazu auf, unsere erkämpften Freiheiten, unsere Menschenrechte als Frauen, zu verteidigen, und schließen uns daher den Forderungen der Leipziger Initiative gegen Islamismus an: Wir appellieren an die zuständigen Behörden, dem Moscheeverein „Islamische Gemeinde in Sachsen“ die Gemeinnützigkeit zu entziehen und ein Verbotsverfahren einzuleiten! Damit alle Mädchen und Frauen hier eines Tages so leben können, wie es ihnen zusteht: gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei!

[1] Hassan Dabbagh: Die Eigenschaften der Ehepartner im Islam, URL: https://www.youtube.com/watch?v=JxmQCXBBMLI (25:18 – 26:26 Min.)
[2] Hassan Dabbagh: Das schlechte Benehmen 11, URL: https://youtu.be/QzbcA3SIpIw?t=846 (14:08 – 14:50Min.)
[3] Frank Döring (lvz): Zwei Ehefrauen vor Gericht: Leipziger Imam sieht sich als Opfer eines Komplotts, URL: http://www.lvz.de/Leipzig/Polizeiticker/Polizeiticker-Leipzig/Zwei-Ehefrauen-vor-Gericht-Leipziger-Imam-sieht-sich-als-Opfer-eines-Komplotts
[4] ebd.
[5] Hassan Dabbagh: Die Eigenschaften der Ehepartner im Islam, URL: https://www.youtube.com/watch?v=JxmQCXBBMLI (27:30 – 27:55 Min.)
[6] Hassan Dabbagh: Die Eigenschaften der Ehepartner im Islam, URL: https://www.youtube.com/watch?v=JxmQCXBBMLI (29:55 – 30:20 Min.)
[7] Stefanie Rosenkranz (stern): Die deutschen Gesichter des Islam, URL: https://www.stern.de/lifestyle/leute/angst-vor-muslimen-die-deutschen-gesichter-des-islam-3322118.html
[8] Hassan Dabbagh: Das Heiratsalter von 'A`ischah (r.a.) – Stellungnahme von Scheich Hassan Dabbagh, URL: https://www.youtube.com/watch?v=bSpPbgWB4Qs (2:36 – 3:16 Min.)
[9] Hassan Dabbagh: Das Heiratsalter von 'A`ischah (r.a.) – Stellungnahme von Scheich Hassan Dabbagh, URL: https://www.youtube.com/watch?v=bSpPbgWB4Qs (2:53 – 3:08 und 6:55 – 7:05 Min.)
[10] Maischberger 08.04.2014: Feindbild Islam: Wird der Hass geschürt?, URL: https://www.youtube.com/watch?v=At3RDT0tXZw (42:15 – 42:33)
[11] Hassan Dabbagh: Hijab der jungen Mädchen wie bei Frauen, URL: https://www.youtube.com/watch?v=Sn0Luo4mZSo (0:26 – 0:27 Min.)
[12] Hassan Dabbagh: Das schlechte Benehmen & seine Auswirkungen (Teil 13), URL: https://www.youtube.com/watch?v=83WkuVmCzJs (18:53 – 19:03 Min.)


Redebeitrag der Gruppe AG No Tears for Krauts aus Halle
Liebe Besucherinnen und Besucher, liebe Genossinnen und Genossen,

als uns vor einigen Monaten die ersten vorsichtigen Informationen erreichten, dass die „Leipziger Initiative gegen Islamismus“ plane, eine Kundgebung gegen die salafistische Al-Rahman-Moschee zu veranstalten, brauchten wir nicht lange, um uns auf eine Unterstützung des Anliegens zu verständigen. Doch gleichzeitig wuchsen auch Zweifel. Wäre es richtig, gegen eine Al-Qaida-nahe, vom Verfassungsschutz beobachtete Moschee zu demonstrieren, deren bärtige Vorbeter ohne jeden Zweifel Dschihadisten und üble Menschenfeinde sind, aber falsch, gegen eine ordinäre Moschee wie jene in Halle zu intervenieren, in der Grundschulkindern erklärt wird, dass Ungläubige in die Hölle kommen? Ist es nicht so, dass sich vom BAK Shalom über die SPD bis hin zur AfD, vom Kleinstadtpfaffen bis zum Zentralrat der Muslime nahezu das gesamte politische und religiöse Spektrum Deutschlands auf die Formel einigen könnte: „Für radikale Islamisten ist kein Platz in unserer Gesellschaft!“? Innenminister Thomas de Maiziere, von dem diese Parole stammt, dürfte in seiner Politkarriere wenige Sätze geäußert haben, die für sich stehend derart hohe Zustimmungsraten erreichen.

Der Kampf gegen den Islamismus scheint bis auf ein paar irren Antiimperialisten allen am Herzen zu liegen. Wie kann es dann sein, dass im August bei „Wir sind mehr“ 65.000 Menschen gegen braune Wastelands in den sächsischen Zonenrandgebieten demonstrierten, heute aber kaum mehr als ein Tausendstel dessen gegen die Halsabschneider des Propheten sein zartes Stimmchen erhebt? Die Antwort dürfte Wenigen gefallen. Sobald sich eine Kritik am Islamismus konkretisiert, sobald sie Ross und Reiter benennt, kurz: sobald darauf hingewiesen wird, dass Islamismus ohne Islam schwerlich zu denken ist, bekommt der linke islamismuskritische Menschenfreund einen ziehenden Schmerz in der Bauchgegend und verschwindet auf Nimmerwiedersehen im Dickicht der „Toleranz und Weltoffenheit“. Die heutige Kundgebung vor einer Moschee wird deshalb nicht zu Unrecht als Tabubruch wahrgenommen. Denn nirgendwo sonst als vor einem islamischen Gotteshaus, in dessen Inneren Männer und Frauen säuberlich separiert werden, wird so offensichtlich, dass die Trennung zwischen „friedlichem Islam“ auf der einen Seite und dem wunderschön unkonkreten „bösen Islamismus“ auf der anderen nicht ohne Weiteres aufrechtzuerhalten ist. So zu tun, als hätte der Islam mit dem Islamismus nicht das Geringste zu tun, ist so, als würde ein Alkoholiker behaupten, dass es am Schnaps ja wohl kaum liegen könne. Wer sich aber dieser künstlichen und im Kern ideologischen Trennung verweigert, gilt zumindest als verdächtig. Man sei undifferenziert, rede der AfD das Wort oder sei gar ein Rassist.

Dabei ist es das eine, eine Petition gegen das Kinderkopftuch zu unterschreiben, und das andere, den Islam in der Konsequenz als das zu bezeichnen, was er ist: die weltweit gegenwärtig größte Gefahr für individuelle Freiheitsrechte. Dass diese nicht nur durch bärtige Islamisten beschnitten werden, dass der Alltagsislam auch in Halle und Leipzig – beides Städte mit vergleichsweise kleiner muslimischer Bevölkerungszahl – Mädchen vom Sport- und Schwimmunterricht fernhält, dass auch ganz normale moslemische Jungmänner ihren Schwestern aus Angst um die Beschmutzung der Familienehre das Leben zur Hölle machen, davon will der stets differenzierte Mainstream nichts wissen. Man spricht hierzulande so gern über den Islamismus, um über den Islam schweigen zu können.

Auch wenn Klügere mitunter auf die Formel des „politischen Islam“ zurückgreifen, verschleiert diese Formulierung mehr als sie erhellt. Kann eine Religion, die im Kern einen politischen Anspruch hat, nicht politisch sein? Kann es einen unpolitischen Islam überhaupt geben? Warum werden liberale Moslems wie Seyran Ates und Ahmad Mansour, die sich als absolute Minderheit für die Privatisierung des Glaubens – also gegen einen politischen Islam – einsetzen, dann mit dem Tod bedroht und brauchen Polizeischutz? Der Anspruch des Islam ist total. Er ist expansiv, und seine Anhänger würden das im Gegensatz zu seinen antirassistischen Freunden niemals leugnen. Der Islam ist nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern erhebt einen umfassenden Herrschaftsanspruch. Seine Lehre sabotiert die Idee individueller Freiheit, die die Aufklärung gebracht hat.

In Deutschland wird über den Islam inzwischen zwar viel gesprochen, doch leider kommt dabei nur selten etwas Vernünftiges heraus. AfD, Pegida und Co. kaschieren mit der Rede vom Islam nur sehr mühsam ihr fremdenfeindliches Ressentiment. Und das linksliberale Lager übt sich, mit dem politischen Mainstream im Rücken, in kollektivem Antirassismus, der nichts anderes als übler Kulturrelativismus ist. Der Schutz der „fremden Kultur“ wiegt dabei schwerer als der Schutz des Individuums. Der Verrat der Gutbürger gerade an jenen Menschen, die eine fast immer traumatische Flucht hinter sich gebracht haben und vielfach die Hoffnung mitgebracht hatten, ohne den repressiven Zugriff der Religion frei und selbstbestimmt leben zu können, ist der Preis für das politische Wellnessprogramm, das seinen Ursprung in der deutschen Vergangenheitsbewältigung hat. Die Wenigen, die hierzulande eine ernsthafte Kritik am Islam formulieren, sind so gut wie immer liberale oder ehemalige Muslime.

Der Deutschen Knacks besteht nicht im Hass auf alles Fremde. Sozialpsychologisch interessanter und gefährlicher ist eine viel tiefer im kollektiven Bewusstsein liegende Störung. Sie ist eine Art Abfallprodukt der deutschen Läuterung. Sie besteht darin, sich um keinen Preis des Rassismus verdächtig zu machen. Dass man stets tolerant zu sein habe. Das „Nie wieder“ als über allem stehendes Leitmotiv führt paradoxerweise zu einer Blindheit gegenüber Entwicklungen, die objektiv und statistisch deutlich gefährlicher sind als die braunen Jungs aus der Platte. Während die Bundesrepublik zu Recht jahrelang über den „NSU-Komplex“ diskutierte, fanden 2018 in diesem Land über 50 Ehrenmorde und Mordversuche statt. Mediale Reaktion: Nahezu Null.

Während in Frankreich der Alltagsislam offen als Problem benannt wird, tut man sich in Deutschland immer noch schwer. Im Nachbarland haben Anfang des Jahres hunderte Intellektuelle unterschiedlichen religiösen und politischen Hintergrunds, darunter drei ehemalige Präsidenten, eine Petition unterschrieben, in der muslimischer Antisemitismus verurteilt, der Koran als „überholt“ bezeichnet und folgerichtig gefordert wird, Koransuren mit Tötungsaufrufen zu entfernen. In Deutschland berichteten darüber fast nur die dubiosen Webseiten der extremen Rechten, in Österreich immerhin die Zeitung „Der Standard“.

Nicht wenige Deutsche beschäftigen sich selbst zunehmend mit ihrer eigenen Herkunft und entdecken ihre Wurzeln in Niederschlesien. Das Faible für Tradition, Familie und Sicherheit durch Nähe ist offenbar ein Kind der Zeit. Eheschließungen nehmen seit Jahren wieder deutlich zu. In diesem Zusammenhang kann durchaus auch von einer heimlichen Faszination für den Islam gesprochen werden, der diese Werte in Reinform zur Verfügung stellt. Insbesondere männliche Jugendliche rasten heute wie selbstverständlich aus, wenn jemand – und sei es noch so harmlos – die eigene Familie beleidigt. Was einst ein Ghettoprivileg unter moslemischen Jugendlichen war, hat längst Einzug in Sprache und Habitus des Durchschnittsjugendlichen gehalten. In einer Gesellschaft, in der Individualität mit Kleidungsstil verwechselt wird, bietet der Islam mit seinen starren Richtlinien und Vorschriften dem atomisierten Individuum auch Schutz und Zuflucht. Das Unbehagen an der Moderne, an der westlichen Zivilisation als solche, mit all ihrer Dekadenz, der Gewaltenteilung, mit ihren individuellen Freiheitsrechten und der mühsamen Aushandlung von Konflikten eint weite Teile der Gesellschaft von rechts bis links.

Kurz gesagt: Die Deutschen haben keinen Schimmer, was es eigentlich am Westen gegen den Islam zu verteidigen gibt. Kein Wunder also, dass es kaum jemand tut.

Vielen Dank!


Redebeitrag von Marie Kreutz
Iranische Mädchen ziehen sich mutig das Kopftuch herunter und zeigen den Mullahs ihres Landes den Mittelfinger, Frauen tanzen unter Androhung von lebenslanger Haftstrafe für ihre Freiheit, die vier Staaten, in denen 2017 laut Amnesty International die meisten Hinrichtungen vollstreckt wurden sind in dieser Reihenfolge: Iran, Saudi-Arabien, Irak und Pakistan. Kritische Stimmen stehen innerhalb islamischer Staaten unter Lebensgefahr. Und doch kämpfen überall auf der Welt mutige Männer und Frauen für Meinungs-, und Religionsfreiheit, sowie andere, ursprüngliche Werte der Aufklärung. Manche haben Glück und geraten nie ins Visier oder schaffen es gerade noch, sich auf eine lebensgefährliche Flucht in ein anderes Land zu begeben – jeder 5. ertrinkt nach aktuellen Statistiken auf dem Mittelmeer. Und auch nach Ankunft in demokratischen Ländern, sind viele noch immer von der Islamischen Community bedroht. Beispielsweise brachte der Deutschlandfunk am 18.10.2018 eine Reportage über „Queer Refugees Deutschland“, einer Organisation des Lesben- und Schwulenverbandes. Dort wurde insbesondere die Macht der Dolmetscher während der Anhörungen der Geflüchteten im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge problematisiert: Nicht selten kommt es vor, dass diese aus homophoben Gründen die Befragten auf arabisch (und damit jenseits der Kenntnis der Mitarbeiter) beschimpfen, bedrohen oder gar absichtlich falsch Übersetzen und so ihre ungerechtfertigte Abschiebung verursachen. Auch Zana Ramadani schreibt in ihrem Buch „Die verschleierte Gefahr“ über den „Toleranzwahn der Deutschen“ und „die Macht der muslimischen Mütter“ welche „frauenfeindliche Werte an ihre Kinder weitergeben“. Dieses Buch ist eine Anklage an Deutschland - zurecht, denn eines ist an all den erwähnten Beispielen auffällig: es sind vor allem Betroffene, die hier versuchen, sich gegen die widrigen Umstände, unter denen sie oft groß werden mussten, zu wehren. Wieso ist das so? Wie kann es sein, dass in einer vermeintlich aufgeklärten und aufgeschlossenen Gemeinschaft teils lebensbedrohte Menschen hinten runter fallen, ja sich von einer linken „Avantgarde“ gar Rassismus vorwerfen lassen müssen? Da wäre zunächst eine vermeintliche inhaltliche Nähe zu Positionen der Neuen Rechten die viele Abschreckt über den Islam und insbesondere die mit ihm einhergehenden Probleme zu sprechen. In der Tat, mit der Forderung nach Auseinandersetzung statt der unkritischen Annahme islamischer Werte als in Debatten oft exotisch stilisierten Faktor, stößt man schnell auf Sympathien unangenehmer Zeitgenossen. Jedoch, was können kritische und fortschrittlich denkende, Geflüchtete, Muslime, Ex-Muslime, Angehörige anderer Religionen oder gar Atheisten dafür, dass ihre Forderungen sich teils mit denen derer decken, die diese Religion als Grund nehmen ihre imaginierte Volksgemeinschaft hochzuhalten? Die Irrsinnigkeit des einen ist schließlich kein notwendiger Grund für die Falschheit des anderen, denn: Zusätzlich zur Forderung selbst, kommt es oft auch auf ihre Begründung an. Aus Angst jedoch, nicht nur einige, sondern gleich alle Forderungen automatisch mit zu unterstützen, wenn man nur über dasselbe Thema spricht, wird den Betroffenen jedoch egoistischerweise die oft so dringend benötigte Solidarität entzogen.

Weiterhin führt dieses Verhalten dazu, dass das Thema scheinbar nur noch in verhärteten Positionen und mit merkwürdigen Vorannahmen diskutiert werden kann. Denn das Schweigen und Ignorieren von eben jenen real existierenden Problemen überlässt die Debatte darüber, wie damit umzugehen sei, Leuten, deren Ansätzen und Ideen kein freiheitsliebender Mensch zustimmen kann. Infolge dieser frontenbasierten Diskussion lässt sich außerdem beobachten, dass Geflüchtete, wenn nicht durch die eigene Familie, die Freunde oder die bereits bestehende Gemeinschaft im Ankunftsland, spätestens in den ewig widergekäuten Integrationsdebatten darauf reduziert werden, Muslime zu sein. Anstatt sie als das zu nehmen was sie sind – Menschen mit eigener Geschichte, Werdung und Persönlichkeit, die sie zu Muslimen, Christen, Gärtnern, Eltern und wohl noch hundert Weiterem gemacht hat, wird ihnen jegliche Fähigkeit der Änderung, Erkenntnis oder für die eigene Person Einzustehen aberkannt. Durch die fehlende Differenzierung der Debatte lässt sich nämlich damit eine äußerst bequeme dichotome Weltanschauung erzeugen. Will man sich von den bösen Leuten abgrenzen, die den Islam und mit ihm gleich alle Muslime zur ewigen Schande verurteilen, so muss man nach dieser Ansicht lediglich das lieben, was sie hassen. Die rassistische Annahme, dass eine Geburt in einem bestimmten Land zu einer bestimmten Religion verpflichte, die auch nachträglich nicht mehr zu hinterfragen oder gar zu verlassen ist, wird dabei jedenfalls oft sowohl von „links“, als auch von „rechts“ geteilt. Doch diese Angst vor der Nähe zu rechten Aussagen kann nicht der einzige Grund sein, warum es in Deutschland so schwer zu sein scheint, über den Islam zu sprechen. Denn im Bezug auf andere Themen, wie beispielsweise den Umweltschutz, klappt es sehr gut den Inhalt von denen zu abstrahieren, die ihn für eine völkische Weltanschauungen instrumentalisieren.

Hier spielt der Gedanke der eigene Privilegiertheit oft eine große Rolle, der es einem a la „Nichteinmischungsgesetz“ aus Star Trek untersagt weniger Privilegierte zu kritisieren. Nun ist es zum einen sehr überheblich, den Gegenüber in einer Argumentation schonen zu wollen, da ihm so die Gabe sich selbst zu verteidigen und seine Ansichten darzulegen von vornherein gedanklich verwehrt wird. Zum anderen scheint es eine merkwürdige Konsequenz zu sein, die eigene Priviligiertheit (die unter anderem auch darin besteht, in einem Land aufzuwachsen, in welchem sowohl die Wahl der Religion, als auch die Freiheit von der Religion gewährleistet wird!) diese eigene Privilegiertheit also anderen dadurch vorenthalten zu wollen, dass man ihre Situation in merkwürdiger Vollkommenheit und Unantastbarkeit als genauso gut imaginiert wie die eigene, nur eben irgendwie auch anders. Das führt zu den absurdesten Doppelstandards! Einerseits wird richtigerweise darauf verwiesen, dass die Unterdrückung von Frauen jenseits einer formalen rechtlichen Gleichstellung auch mit der Sozialisation reproduziert wird. Andererseits wird von Frauen aus Familien, in denen sie Teils nicht alleine für das Abendessen Einkaufen gehen dürfen erwartet, sich über die vorherrschenden sittlichen Gesetze zu erheben und in einer plötzlich vom Himmel gefallenen Mündigkeit eine Entscheidung über Kopftücher und Rollenbilder zu treffen, damit man diese hinterher als emanzipiert stempeln kann.

Abschließend möchte ich nochmals darauf verweisen, dass statt der Angst vor unsinnigen oder gar bewusst zugespitzten Interpretationen – egal von welcher „Seite“, unser Interesse im Sinne einer aufklärerischen und universalistischen Gesellschaft vor allem darin bestehen sollte, den Leuten, welche sich kritisch mit ihrer Herkunft, ihrer Religion oder ihrem Umfeld auseinandersetzen, die oft so dringend benötigte Unterstützung anzubieten – egal wo sie geboren wurden. Und dazu gehört es auch anti-individualistische, islamistische und terroristische Personen und Einrichtungen zu outen und anzuprangern, wie die heute im Fokus stehende Al-Rhaman Moschee und deren Imam. Ich habe meinen Fokus in diesem Redebeitrag bewusst auf eine bestimmte Gruppe Geflüchteter gelegt, in dem Wissen, dass diese eine Minderheit darstellen. Denn eben diese Minderheit braucht es dringend es für die Integration. Das sind schließlich die Menschen, die sich über die Grenzen des Umfeldes hinweggesetzt haben, mit dem sie aufgewachsen sind und die daher wohl am ehesten Einschätzen können, was es braucht, um andere davon zu überzeugen, dass bestimmte Gesetze und Normen in Deutschland nicht nur zu akzeptieren, sondern bestenfalls auch zu verfolgen und zu verteidigen sind. In der Zwischenzeit müssen sich Leute mit deutschem Pass damit anfreunden, dass es Probleme mit Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern gibt, die spezifisch muslimisch sind. Jeder Mensch sollte zu jeder Zeit das Recht haben, vor Krieg und Katastrophen oder der politischen Verfolgung zu fliehen und Schutz zu bekommen. Diese Erfahrung gibt jedoch niemandem das Recht in die Freiheit irgendeines anderen Menschen einzugreifen, weder mit der Begründung der Sozialisation, noch mit der Begründung der Religion. Und daher braucht es neben klaren Vorkehrungen und Gesetzen, die ein solches Eingreifen verhindern auch die permanente Gegenrede kritischer Individuen, die deutlich machen, dass sowohl Muslime als auch Nicht-muslime über den Islam sprechen, schimpfen und streiten können, wie über jede andere Ideologie auch. Ganz gleich, ob sich Imame, Mütter, Väter oder wer auch immer noch so sehr darüber ärgern.

Darum danke ich allen, die heute hier sind, bereit sind zu streiten und solidarisch mit betroffenen Menschen für ein möglichst freiheitliches Leben in unserer Gesellschaft zu kämpfen!


Redebeitrag der Gruppe »Thunder in Paradise« aus Frankfurt
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
wir demonstrieren heute gegen die Leipziger Zelle einer globalen islamisch-antisemitischen Bewegung: gegen die Al-Rahman-Moschee, deren Imam Hassan Dabbagh Juden als »Feinde des Islam« erachtet, die man im Dschihad bekriegen müsse.[1] Das sind klare Worte, die weder an der mörderischen Absicht noch an der religiösen Motivation Zweifel lassen – und die bekanntlich erschreckend häufig so oder so ähnlich auch woanders in Moscheen, an Familientischen und auf Schulhöfen fallen.
Wie eh und je muss das Offenkundige jedoch am vehementesten geleugnet werden. Illustrieren kann das ein kurzes Zitat: »Antisemitismus ist unislamisch.« Dieser Satz stammt weder aus einer Cultural Studies-Seminararbeit noch aus der Abschlusserklärung der vergangenen Islamkonferenz, sondern von Felix Klein, dem sogenannten Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung.[2]Begründet hat er ihn so: »Es gibt Stellen im Koran, die sehr judenfreundlich sind«, womit die anderen, sehr judenfeindlichen Stellen offenbar ihre Relevanz verlieren, ganz so als wäre ein Omelette aus faulen Eiern eben doch genießbar, bloß weil auch eins, zwei frische eingerührt sind.
Felix Klein schränkte seine Aussage anschließend ein, machte es damit aber keineswegs besser: Wenn auch keinen islamischen Antisemitismus, so gebe es doch immerhin einen »Antisemitismus unter Muslimen« – und dieser sei entstanden aus einer »Verbindung aus antisemitischen Narrativen im 19. und 20. Jahrhundert und der Entstehung des Staates Israel«. Wie genau sich Narrative mit einer Staatsgründung zu Antisemitismus verbinden können, bleibt sein Geheimnis, gemeint hat er aber wohl folgendes: In Reaktion auf die israelische Staatsgründung sei der aus Europa importierte Antisemitismus auch unter Muslimen verbreitet worden. Der »Antisemitismus unter Muslimen« habe folglich mit dem Islam an sich nichts zu tun.
Tatsächlich: Ein der christlichen und modernen Judenfeindschaft vergleichbarer Verschwörungsglaube war der islamischen Welt lange Zeit fremd, dennoch war die islamische Vormoderne kein Paradies der religiösen Toleranz, das erst durch die Kolonialmächte zerstört worden sei.[3] Juden waren über den gesamten Zeitraum islamischer Herrschaft hinweg dem diskriminierenden Dhimmi-Recht unterworfen. Weil sie überdies keine Waffen tragen durften, waren sie jedweden Angriffen schutzlos ausgeliefert. Seit Mohammeds Zeiten kam es immer wieder zu antijüdischen Verfolgungen, Zwangskonversionen und Pogromen.[4]
Der Schritt von diesem klassischen islamischen Antijudaismus zum modernen islamischen Antisemitismus vollzog sich vor dem Hintergrund der einbrechenden Moderne – und nicht, wie Felix Klein meint, erst mit der israelischen Staatsgründung. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erahnten die Muslime aufgrund der sukzessiven Abschaffung des Dhimmi-Rechts die Gefährdung ihres eingebildeten Herrenmenschenstatus, der sie jahrhundertelang gegenüber Juden und anderen Ungläubigen privilegiert hatte. Im Vergleich mit dem Westen auf ganzer Linie den Kürzeren zu ziehen, bedeutete zudem eine schwer zu verwindende Kränkung des islamischen Allmachtanspruchs, die für die antisemitische Weltanschauung empfänglich machte. Hier liegt der kulturspezifische Boden, auf dem der moderne islamische Antisemitismus seine ersten giftigen Blüten trieb. Wird stattdessen der Antisemitismus kausal auf die staatliche Emanzipation des Judentums in Gestalt der israelischen Nation zurückgeführt, drückt sich darin schlicht die Forderung aus, dass zur Abschaffung des Antisemitismus die Juden auf ihren Dhimmi-Status zurückgeworfen werden sollen.
Im islamisch-antisemitischen Weltbild erscheinen Juden und Zionisten als bedrohliche Personifikationen von Zivilisation schlechthin, die die »heilige arabische Erde« dem Gesetz des Propheten, dessen Geltung in der Moderne ohnehin in die Krise geraten ist, entziehen wollen. Islamische Judenhasser sind getrieben vom Affekt gegen die als gefährliche »Verjudung« empfundene Säkularisierung. Die Trennung von Religion und Staat konnte in der islamischen Welt nie völlig vollzogen werden, denn die für Judentum und aufgeklärtes Christentum charakteristische Verinnerlichung der göttlichen Gebote war und ist durch den politischen Charakter der islamischen Religion blockiert: Voll verwirklicht ist der Islam nur dort, wo sein Gesetz – das wesentlich Strafrecht ist – nicht nur individuell eingehalten wird, sondern territoriale Macht innehat. Solche Landnahme wird nicht ohne Grund gefürchtet: Überall, wo der Islam heute herrscht, sind die Juden vertrieben worden oder leben gefährlich.
Der jüngste Aufschwung des bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden islamischen Antisemitismus hängt mit dem seit beinahe 50 Jahren anhaltenden Siegeszug des radikalen Islams zusammen. Dieser Siegeszug begann mit dem Ende des fordistischen Produktionssystems, also in einer Phase der Erosion nationalstaatlicher Strukturen, wovon die arabische Welt, die kaum staatsunabhängige Strukturen kannte, besonders hart getroffen war. Die vormalige Leitideologie des arabischen Nationalismus wurde beerbt vom islamischen Wiedererweckungsgedanken, demzufolge nur die Einigung der globalen Ummah die Juden und ihre Helfer davon abhalten könne, die Muslime in den Ruin zu stürzen.[5] Der islamische Antisemitismus ist insofern eine den objektiven Zerfall der Nationalstaaten reflektierende und beschleunigende antinationale Ideologie.
Verwundern müsste dementsprechend, wie verbissen der Antisemitismus als Alleinstellungsmerkmal rechter Nationalisten identifiziert wird, zwecks deren Bekämpfung man sich auch noch grüne und rote Antisemiten ins Boot holt, wie nicht zuletzt die Berliner #unteilbar-Demonstration bewiesen hat. Ein Dolchstoß-Vorwurf ergeht unterdessen an alle, die sich nicht dazu mobilisieren lassen, Seite an Seite mit Islamisten gegen rechts zu marschieren – und trifft mit besonderer Härte die Juden, zum Beispiel, wenn einige von ihnen sich nicht für den interreligiösen Dialog, sondern für die AfD engagieren. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass den Juden Gefahr vornehmlich vonseiten islamischer Antisemiten droht: Dass sich unter Muslimen weit mehr Antisemiten tummeln als unter Nicht-Muslimen ist eine statistisch erwiesene Tatsache.[6] Auch weiß man, dass Juden angeben, um ein Vielfaches häufiger von Muslimen beleidigt oder attackiert zu werden als von Nazis oder Linken,[7] und dass in diesem Jahrhundert in Europa alle antisemitischen Morde von Muslimen begangen wurden.[8]
Spätestens seit 2014 muss jedem halbwegs nüchternen Beobachter klar vor Augen stehen, dass der islamische Antisemitismus in Europa virulent geworden ist – unter Förderung durch eine tribalistisch-kulturalistische Ideologie, die muslimischen Immigranten eine Identität als hochmütiges Opferkollektiv zugesteht. Der infolge der islamischen Bedrohung stattfindende Massenexodus bislang nur der französischen Juden aber wird in Deutschland schulterzuckend hingenommen, während gleichzeitig antisemitischen Muslimen unter dem Vorwand von Dialogbereitschaft und Willkommenskultur die Gebetsteppiche ausgerollt werden und das Ganze auch noch als Lehre aus dem Holocaust verkauft wird. In Wahrheit teilt man das (als Israelkritik notdürftig bemäntelte) Ressentiment gegen die Zivilisation, das den Kern der antisemitischen Ideologie ausmacht. Im Land der Aufarbeitungsweltmeister steht man weder dem jüdischen Staat solidarisch zur Seite – stattdessen füllt man weiter die Kriegskassen seiner Todfeinde –, noch wird der Antisemitismus vor Ort entschieden bekämpft – sonst wäre diese Moschee hier längst geschlossen.

[1] »Imam hetzt gegen Juden«, in: Focus Online (07.09.2009), online unter: https://www.focus.de/magazin/archiv/islamist-imam-hetzt-gegen-juden_aid_433043.html
[2] »Antisemitismus ist unislamisch«, in: Welt Online (15.07.2018), online unter: https://www.welt.de/politik/deutschland/plus179337122/Extremismus-Antisemitismus-ist-unislamisch.html
[3] Beispielhaft für eine gewisse Schönrednerei sind Bernard Lewis’ Studie Die Juden in der islamischen Welt [1984], München: C.H. Beck 2004 sowie Léon Poliakovs Geschichte des Antisemitismus, Bd. III: Religiöse und soziale Toleranz unter dem Islam, Worms: Heintz 1979.
[4] Vgl. Mark R. Cohen: Unter Kreuz und Halbmond. Die Juden im Mittelalter, München: C.H. Beck 2005, S. 68-87; 161-167.
[5] Vgl. Moishe Postone: »Geschichte und Ohnmacht. Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus«, in: ders.: Deutschland, die Linke und der Holocaust. Politische Interventionen, hg. v. initiative kritische geschichtspolitik, Freiburg: ça ira 2005, S. 195-212, hier: S. 200-204.
[6] Vgl. z.B.: »Autoritäre Einstellungen von Jugendlichen unter Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit«, online unter: https://fowid.de/meldung/autoritaere-einstellungen-jugendlichen-unter-beruecksichtigung-religionszugehoerigkeit; Ruud Koopmans: Assimilation oder Multikulturalismus? Bedingungen gelungener Integration[Migration; Bd. 4], Berlin: LIT Verlag 2017, S. 184f; »The ADL GLOBAL 100: An Index of Anti-Semitism«, online unter: http://global100.adl.org/#map
[7] Andreas Zick et al.: Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland. Ein Studienbericht für den Expertenrat Antisemitismus, Bielefeld: Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung 2017, online unter: https://uni-bielefeld.de/ikg/daten/JuPe_Bericht_April2017.pdf
[8] »Im 21. Jahrhundert wurden alle antisemitischen Morde in Europa durch Moslems begangen«, in: Jüdische Rundschau (13.12.2016), online unter: http://juedischerundschau.de/im-21-jahrhundert-wurden-alle-antisemitischen-morde-in-europa-durch-moslems-begangen-135910655/


Redebeitrag von Mina Ahadi für den »Zentralrat der Ex-Muslime«
Die Demonstration vor der Al-Rahman Moschee ist eine Demonstration gegen Rassismus!
Ich bin Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, und ich begrüße solche Demonstrationen gegen Moscheen, da dort gegen Andersgläubige, u.a. Ex-Muslime und Ungläubige (sog. „Kufar“) sowie Homosexuelle gehetzt wird.
Viele Moscheen in Deutschland sind heutzutage nachweislich nicht nur ein Ort der Spiritualität, sondern politische Orte und Sprachrohre islamischer Regierungen wie dem Iran, der Türkei oder Saudi-Arabien. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, wie Moscheen hierzulande z.T. gezielt Jugendliche für den IS anwarben oder wie Imame der DITIB von der türkischen Regierung nach Deutschland entsandt werden. Heute begrüßen wir hier in Leipzig all diejenigen Arbeiterinnen und Arbeiter und Jugendlichen, die derzeit im Iran dutzende von Demonstrationen vor Moscheen organisieren. Wie beispielsweise vor einem Monat, als in den südiranischen Städten Schusch und Ahvaz das Freitagsgebet von Demonstranten unterbrochen wurde, um islamkritische Reden zu halten. Diese Menschen, von denen die meisten auch Muslime sind, erleben seit 40 Jahren die islamische Bewegung im Iran und wissen, wie das Regime gezielt Moscheen, Imame und Freitagsgebete als Instrument der Festigung seiner Diktatur nutzt. Eine islamische Diktatur, die sich mit Terror und Korruption in Milliardenhöhe am Leben hält und dabei das Leben von so vielen Menschen im Iran und außerhalb aufs Spiel setzt! Also worüber reden wir? Wir reden hier über eine politische Bewegung und nicht über Individuen, also auch Muslimen, die selbst Opfer islamistischer Gewalt sind - seitens der iranischen Regierung zum Beispiel.
Unsere Kritik richtet sich auch an die deutsche Regierung und ihrer falschen Politik. Ihre Kooperation mit den Islamisten der iranischen Regierung, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen, ist kein Geheimnis!
So hat sie die Islamkonferenz unter dem Label der Integration organisiert und so den langen Arm der Islamisten gewähren lassen. Damit lässt sie gleichzeitig moderne und emanzipierte Menschen im Stich!
An die Unterstützer dieser Gegendemonstration:
Zeigt keine Toleranz gegenüber denjenigen, die antisemitisch, frauenfeindlich, trans- oder homophob sind - das heißt also gegenüber Islamisten und Chauvinisten bzw. fremdenfeindlicher Gewalt gleichermaßen! Der Islam hat mehr Gemeinsamkeiten mit der AfD als die beiden voneinander unterscheidet! Zuletzt möchte ich betonen, dass Organisationen wie die türkische DITIB oder Organisationen der iranischen Regierung in Deutschland nicht die Mehrheit der Muslime vertreten, sondern ihren eigenen Machterhalt sichern wollen. Deswegen dürfen sie keineswegs im Namen der Integration oder der Religionsfreiheit geschützt werden; schon gar nicht von antirassistischen Linken, die damit meinen, „den“ Muslimen einen Dienst zu erweisen. Nein, allein schon die Identität eines Menschens auf seine Zugehörigkeit zu einer Religion zu reduzieren und ihn nur als „Muslim“ oder „Jude“ anzusprechen, ist problematisch und sollte zu denken geben! Religion ist Privatsache und ich erinnere an die Grundprinzipien der Moderne und der Aufklärung, die die Religion in ihre Schranken gewiesen haben.